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Spieglein, Spieglein an der Wand oder: Suchen Sie eine Coacherin … eine Coachin, eine Coachesse … oder gar eine Coachöse?

Der Wunsch, sich von anderen Anbietern abzusetzen, führt zu wahrhaft interessanten oder auch abenteuerlichen Wortgestalten und Berufsbildern bei jemandem, der als Coach arbeitet. Was wollen Verbindungen mit „Achtsamkeit“, „Karriere“, „Verhalten“ oder „Mut“ dem potenziellen Kunden sagen? Dass jeder, der diese Verbindung nicht explizit herstellt, nicht achtsam ist, sich nicht mit Ihnen um Karrierefragen kümmert oder nicht Ihren Mut zur Veränderungen stärken will?

Dann gibt es auch noch den „Männercoach“ und den „Frauencoach“ – oder müsste es nicht besser heißen „die Frauencoachin“? Denn der Duden kennt zu meiner ehrlichen Überraschung „die Coachin“.

Wenn es zur Not auch ein „Coach (m/w)“ ganz ohne Zusätze tut, dann sind wir beim Thema: Was erwarten Sie von einem Coach? Was brauchen Sie? Und was wollen Sie auf keinen Fall von ihm oder ihr?

Ich könnte es mir leicht machen und einfach schreiben „Nehmen Sie doch mich! Schließlich ist das hier mein Blog und wo Sie schon mal hergefunden haben …“ Aber ganz so leicht will ich es mir nicht machen. Und Ihnen auch nicht!

Wer irgendwo – im privaten Kreis, in irgendeinem einschlägigen Forum – eine Frage zu seiner beruflichen Entwicklung einstellt, dann erhofft er sich möglichst viele Antworten, aus denen sich im Sinne einer Schwarmintelligenz ein paar wertvolle Hinweise herauskristallisieren. Wenn Meinungen geäußert werden, die einem gewaltig gegen den Strich gehen, kann man widersprechen, den Gesprächspartnern die Kompetenz absprechen und/oder sie ignorieren. „Für lau“ kann und muss man keine großen Ansprüche stellen. Man sollte aber doch meinen, dass jemand die Einschätzung eines Beraters kennenlernen möchte, wenn er dafür Geld ausgibt.

Wenn man die Versprechen von so manchem Berufskollegen (und so mancher Berufskollegin) so liest, dann kommt man zu ganz anderen Gedanken. Da werden so manches Mal Gefühle versprochen – und Ergebnisse. Zu diesen Ergebnissen scheinen die Kollegen ihre Kunden führen zu können ohne dass es diese Mühe kostet, ohne Konfrontation mit unangenehmen Wahrheiten, ohne dass die sich mit den eigenen Grenzen und Fehlern aus der Vergangenheit beschäftigen müssen.

Aber lesen Sie erst einmal!

Da meldet sich eine Person, die ist genervt, ratlos, manchmal regelrecht verzweifelt. Man ist auf der Suche nach einem neuen Job, aber es will nicht klappen. X Bewerbungen, keine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die üblichen Erklärungen – Alter jenseits der 50, Quereinsteiger, unruhiger Lebenslauf … greifen nicht. Nichts davon kann die Ursache für diese Erfolglosigkeit sein.

Die gestellte Aufgabe scheint klar. Mir jedenfalls! Es geht darum, die gesamten Unterlagen sich auf die Wirkung hin anzuschauen, die diese Bewerbung auf den Empfänger hat – oder haben könnte. Denn so genau steckt man ja als Außenstehender nicht drin.

Der vergleichende Blick zwischen Anzeigenprofil und dem, was der Bewerber in seinen Unterlagen von sich darstellt, macht oft sehr schnell klar dass Anforderungen und gegebene Informationen im CV nicht zusammenpassen. Mir jedenfalls. Also mache ich als Coach meinen Job. Ich erkläre, ich weise auf Unklarheiten hin, auf Ungereimtheiten, auf Unglaubwürdiges. Und bisweilen weise ich darauf hin, dass der Misserfolg an der falschen Auswahl der Anzeigen liegt.

So weit, so gut. Manche Bewerber akzeptieren das und stellen sich der Realität.

Andere sind erst mal gekränkt. So haben sie sich Coaching nicht vorgestellt. Man soll sich doch gut fühlen, der Coach soll einen doch verstehen!

Machen Sie sich in einem ersten Schritt klar, was Sie wirklich suchen. Und wen Sie suchen

  • Jemanden, der Sie bestärkt in allem, was Sie denken und sagen?
  • Jemanden, der Sie in Ihrer Komfortzone belässt?
  • Jemanden, dessen erstes Bestreben es ist, dass Sie sich wohlfühlen?

Die Gefahr besteht, dass Sie dann Ihr Ziel nicht erreichen. Es geht Ihnen vielleicht erst einmal gut dabei, aber dafür eventuell viel Geld ausgeben?

Oder wollen Sie vorwärts kommen und etwas verändern? Dann suchen Sie am besten jemanden, dem Sie die Kompetenz zutrauen, Ihre Situation zutreffend zu analysieren und der mit Ihnen in den Spiegel der Realität schauen kann. Der es aushält, dass Sie ihn nicht immer „nett“ finden, wenn gerade mal Unangenehmes bearbeitet wird. Gerade bei beruflichen Veränderungen geht es nun mal nicht ohne einen realistischen und manchmal schmerzhaften Blick auf die Welt, so wie sie ist.

Wenn Sie so jemanden suchen, dann wären Sie beispielsweise bei mir gut aufgehoben. Und ich verspreche Ihnen: Wir werden bei unserer gemeinsamen Arbeit trotzdem auch eine Menge Spaß haben!

Ihre Sabine Kanzler

4 Gedanken zu „Spieglein, Spieglein an der Wand oder: Suchen Sie eine Coacherin … eine Coachin, eine Coachesse … oder gar eine Coachöse?

  1. Dieter-Michael Last

    Gibt es das wirklich, dass sich jemand einen Coach sucht, dann aber nur Bestätigung und keine echte Hilfe/Unterstützung will?

    Einen Coach brauche ich, wenn meine Ergebnisse, in was auch immer, nicht stimmen. Und wenn Ergebnisse nicht stimmen, muss etwas verändert werden. Dabei soll mich der Coach unterstützen und das kann nicht nur mit Bestätigung funktionieren.

    Aber klar, Beratungs-Resistenz kennt die Unternehmens-Kommunikation und das Marketing auch. Insofern…

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    1. Sabine Kanzler Beitragsautor

      Kein Mensch würde zugeben, dass er nur Bestätigung sucht. De facto ist es so, dass so mancher verschnupft reagiert, wenn ich ihn darauf hinweise, dass bestimmte Wünsche so nicht zu realisieren sind, weil bestimmte Voraussetzungen fehlen.

      Und es gibt auch Kunden, von denen dann nichts mehr zu hören und zu sehen ist. Es ist – das will ich hier ausdrücklich erwähnen – nicht die Mehrzahl!

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  2. Margarita Moerth

    Ich bin auch einigermaßen überrascht, dass offenbar viele Klienten sich von einem Einzel-Coaching eher Streicheleinheiten erwarten, als konstruktive Vorschläge.
    Meinem Gefühl nach ist dieses „Coaching“ doch der guten alten Betriebsberatung vergleichbar. Da hat man sich einen BB ins Haus geholt, gemeinsam eine Ist- und Soll-Bestandsaufnahme gemacht und danach geschaut, wo diese beiden auseinanderklaffen.
    Klar kann man das dann als Kritik auffassen und gekränkt sein, weil dabei auch Fehler ans Licht kommen.
    Doch gerade dazu – Fehler aufdecken und beseitigen – hat man den Betriebsberater/den Coach ja ins Haus geholt.
    Wenn man das nicht erkennt, dann braucht man wahrscheinlich weniger einen Coach, als einen Therapeuten. ;-)

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  3. Sabine Kanzler Beitragsautor

    Sowohl der Betriebsberater als auch der Coach machen ja einen Veränderungsbedarf deutlich. Wenn man den akzeptiert und für sinnvoll erachtet, dann kommt erst mal eine Menge Arbeit und auch Unsicherheit auf einen zu.

    Das ist schwer. Und erfordert eine Menge Mut. Außer, der Insolvenzverwalter nähert sich am Horizont schon. Das beflügelt so manchen ganz ungemein.

    ;-)

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